Kirche St. Peter und Paul – 5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik | Bern 2015 | 21.-25. Oktober 2015 https://www.kirchenmusikkongress.ch kM15 Sat, 24 Oct 2015 23:06:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.7.15 Klanginstallation «Miozän Resonanz» https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/klanginstallation-miozaen-resonanz/ Thu, 25 Jun 2015 08:44:31 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=585 Miozän Resonanz
Eine mehrkanalige Klanginstallation (2015)

 

Serafin Aebli (*1994)
Rolf Laureijs (*1992)

 

Die Krypta der Kirche St. Peter und Paul wurde und wird auch heute von verschiedenen Kirchgemeinden genutzt. So feiern z.B. die eritreisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe Kirche ihre Gottesdienste in der Krypta. Im Winter werden hier auch die Gottesdienste der Christkatholischen Kirchgemeinde Bern abgehalten. Es gibt also eine interessante Mischung verschiedener Kulturen, welche diesen Raum für ihre Gottesdienste nutzen.
Nehmen wir einmal an, alle Klänge in der Krypta der letzten 150 Jahre hätten sich mittels ihrer Schallwellen in die Wände, Böden und Gewölbe des Raums eingeschrieben und wir fänden eine Methode, sie wieder hörbar zu machen. Dann könnte man eine phantastische klangarchäologische Analyse vornehmen und die alten Gesänge, Musiken, Predigten, Gespräche usw. Schicht für Schicht freilegen.
Mit der mehrkanaligen Lautsprecher-Installation Miozän Resonanz wird eine solche «klangarchäologische» Untersuchung durchgeführt. Die in Jahrzehnten in die Wände, Böden und Gewölbe eingeschriebenen Klangschichten werden vorsichtig abgetragen. Stück für Stück kommen all die alten Klänge wieder zum Vorschein. Schleif- und Kratzgeräusche sowie leichtes Hämmern begleiten die Klang-Archäologen, wie sie langsam die Schichten der Wände abtragen, die längst vergessenen Klänge verschiedener Kulturen und Epochen zum Vorschein bringen und erstmals gleichzeitig miteinander hörbar werden lassen.
An verschiedenen Punkten im Raum werden Lautsprecher platziert. Durch die Reflexionen im Raum und die Diffusionen im Gewölbe entsteht eine spezielle Akustik, so dass die Klänge in ihrer Herkunft verschleiert und schwer ortbar werden, vergleichbar den einzelnen Staubschichten und Steinen in Sedimentablagerungen der Wände, die ihr altes Wissen wieder freigeben.
Serafin Aebli und Rolf Laureijs

Öffnungszeiten: Do 22. Oktober bis Samstag 24. Oktober: 9.00–10.00 Uhr | 12.00–14.00 Uhr | 17.00–19.30 Uhr
Eine erweiterte Dokumentation liegt auf.

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Orgelspaziergang, Teil 3 https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/orgelspaziergang-teil-3/ Thu, 05 Mar 2015 10:53:33 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=62 Jürg Brunner Begrüssung und Moderation

 

Hauptorgel (Goll-Wälti 2011)

Carmen Schneller Gitz Orgel
Alfred Baum (1904–1993)
All Morgen ist ganz frisch und neu (2 Verse)
Oren Kirschenbaum (*1982)
All Morgen ist ganz frisch und neu
Jürg Brunner (*1946)
Concerto über Ein heller Morgen

Tatjana von Gunten Orgel
Roman Krasnovsky (*1955)
Toccata domenicale op. 9

Kathrin Bratschi Orgel
Michael Radulescu (*1943)
Aus: Sieben Choräle zur Passion (1981)
3. Christus, der uns selig macht
5. O Traurigkeit, O Herzeleid

Klaus Huber (*1924)
In te Domine speravi (1964)

 

Orgeldisposition

 

Morgendlich gestimmt beginnt das Nachmittagskonzert – mit dem Choral «All Morgen ist ganz frisch und neu» aus dem frühen 16. Jahrhundert: Johannes Zwick schrieb dazu den Text, Johann Walter die Melodie. Der Komponist Alfred Baum, über fast sechs Jahrzehnte Organist an der Kirche Neumünster und einer der wichtigsten Vertreter der Zürcher Kirchenmusik, hat zahllose Stücke für den Gottesdienst geschaffen, daneben auch Choralbearbeitungen wie diese. Ein aktuelles Pendant erhält sie hier im Choralvorspiel von Oren Kirschenbaum. Der aus Israel stammende Organist, dessen Familie vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste, war fünf Jahre an der evangelischen Kirche Zollikon tätig, musste sie dann aber verlassen, weil seine Arbeitsbewilligung in Zürich nicht verlängert wurde. Derzeit studiert er noch in Basel. Der Gedanke der Morgenstund‘ wird im «Concerto»von Jürg Brunner aufgegriffen, der sich seinerseits nun aber auf den beliebten Kanon von Willi Gohl (einem Schüler von Alfred Baum) bezieht.

Aus der Ukraine stammt der Komponist und Organist Roman Krasnovsky. Er studierte noch bei Aram Khatschaturjan in Moskau und kam dann nach Deutschland, um hier sein Orgelstudium zu beenden. 1990 emigrierte er nach Israel. Seither ist er als Konzertorganist unterwegs, in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan. Erst in den 90er Jahren kehrte er wieder zur Komposition zurück. Sein Orgelwerk umfasst drei Sinfonien und diese Sonntagstoccata, Toccata domenicale, mit denen er häufig seine Konzerte beendet. Ein eingängliches, ja jahrmarkthaftes Thema wird hier auf dramatische und spielerische Weise verarbeitet und gerät so auf überraschende Weise in ganz andere Sphären.

Der österreichische Komponist und Organist Michael Radulescu, der von 1968 bis 2008 an der Wiener Musikhochschule unterrichtete, ist ebenfalls Konzertorganist. Sieben Passionschoräle hat er 1981 verarbeitet, indem er jedem von ihnen einen Modus (oder mehrere) zugeordnet und die Choralmelodie so umgeformt hat. Die Komposition entspringt also modalem Denken. Der zweite Teil von «Christus, der uns selig macht» sei als verhöhnender Tanz der Spötter Jesu vor dem Kreuz zu verstehen.

Klaus Huber ist einer der international bekanntesten Schweizer Komponisten. Durch sein politisches Engagement, etwa für die sandinistische Revolution in Nicaragua, sowie durch sein Studium der arabischen Musik hat er innerhalb der Neuen Musik deutlich Position bezogen. Eine seiner Wurzeln liegt jedoch, wie oft übersehen wird, in der reformierten Kirchenmusik. Bei Willy Burkhard, seinem Patenonkel, studierte er Komposition, und in seinen ersten Werken knüpft er durchaus daran an, wenngleich er dabei auch sofort die konfessionellen Grenzen überschreitet, hin zur Ökumene und zur Mystik. In diesem Zusammenhang ist auch das frühe Orgelstück «In te Domine speravi» zu sehen. In dieser Psalminvention scheint ein Gedanke auf, der Hubers Schaffen prägt und trägt: die Hoffnung. So schrieb er einmal: «Auf Gegenwart reagierend, wie ich es nicht anders kann, hoffe ich, mit meinem Werk einen bescheidenen Beitrag zu leisten gegen die fortschreitende Verdinglichung des Menschen (samt seiner Seele…), zur Rettung des Menschlichen in einer Zeit, die sich anderen Zielen verschrieben hat. – Und das im vollen Bewusstsein einer extrem brutalisierten Gegenwart, nicht nur in Palästina. Un autre monde est possible.»

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Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes/ Mon, 16 Mar 2015 20:39:44 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=94 Laudes I
Laudes nach christkatholischem Ritus
(sogenannte Monastische Form)

 

Pfrn. Anne-Marie Kaufmann Liturgie

Helene Ringgenberg Kantorin

 

Eröffnung

Psalmodie:

Erster Psalm (Psalm 42)
Alttestamentliches Canticum
Zweiter Psalm (Psalm 150, der grosse Lobpreis)

Wortgottesdienst:

Lobspruch
Lesung
Wechselgesang
Hymnus
Versikel
Neutestamentliches Canticum
(Lukas 1, 67–80, Lobgesang des Zacharias)

Bitten
Vaterunser
Fürbitten

Abschluss

 

(Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf die beiden Typen der Laudes, die in der christkatholischen Kirche gefeiert werden, teils also auf die Laudes I vom Donnerstag, teils auf die Laudes II vom Samstag am selben Ort.)

Zu den Laudes-Gottesdiensten
Der lateinische Name «laudes» (Lobgesänge) steht für das gemeinschaftliche Gebet der christlichen Kirche am Morgen; die Entsprechung für das Gebet am Abend ist die Vesper.
Morgen und Abend haben sich schon früh als feste Tageszeiten der wachsenden Gemeinden etabliert; daneben gab es – für Einzelne oder kleinere Gruppen – noch andere Gebetsstunden am Tag oder auch in der Nacht. All diese Tagzeitengottesdienste sind seit langem fast nur noch in monastischen Gemeinschaften lebendig.

Die hier vorgestellte monastische «Morgengebet – Laudes» umfasst fünf Teile. Nach einer kurzen Eröffnung bildet der Lobpreis für das Licht am Morgen das erste besondere Kennzeichen dieser Form des Morgengebets. Ein Strophenlied spielt mit dem Gedanken, dass die aufgehende Sonne ein Zeichen für Christus, das Licht der Welt, ist, dessen Kommen zu den Menschen immer neu erwartet wird.
Auf sie folgt das Benedictus (Lk 1,46–55), das nun antiphonal, d.h. im Wechsel von zwei Gruppen (z.B. Frauen/Männer) gesungen und von einem Leitvers gerahmt wird. Kyrie, Vaterunser, feste oder freie Fürbitten und eine Oration der dem Gottesdienst vorstehenden Person, die alle nach einem einfachen Kantillationsmuster gesungen werden, bilden als an Gott gerichtete Gebetsfolge gleichsam die Antwort auf die Schriftverkündigung.
Hinsichtlich des musikalischen Idioms werden die Laudes am Donnerstag, 22. Oktober, auf die eben beschriebene Weise gesungen. Hingegen kommt am Samstag, 24. Oktober um 8.00 Uhr eine 2015 entstandene Vertonung von Johannes Sonnleitner zum Zug. Link
Urs von Arx

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Offenes Singen leiten https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/offenes-singen-leiten/ Mon, 16 Mar 2015 21:36:00 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=128 Ein Workshop für Chorleitende, Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen
Michael Gohl Dirigent, Musikpädagoge, Dozent an der ZHdK, international erfahrener Leiter von Offenen Singen

Wie wird ein Offenes Singen zum Erfolg für alle und schafft Lust auf mehr? Was für besondere Anforderungen werden an die Singleitung gestellt? Wo liegen die Stolpersteine? Wie geht man mit dieser besonderen Form des gemeinsamen Musizierens um, dieser Form jenseits von Probe und Konzert? Welches Repertoire empfiehlt sich für eine völlig gemischte Zielgruppe? Welche Settings bieten sich an?
Michael Gohl gibt praktische Antworten auf diese Fragen im Hinblick auf das kirchenmusikalische Schaffen und teilt seinen reichen Erfahrungsschatz, den er in seinem Methodik- und Liederbuch «Sing along – singt mit!» (Edition Peters 11400) fest gehalten hat. Im Sinn einer Reading-Session stellt er einige der rund 60 Lieder in diesem Buch vor, die sich für die Arbeit mit Menschen aller Altersstufen im kirchlichen Umfeld eignen.

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Nachtkonzert https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/nachtkonzert-2/ Mon, 16 Mar 2015 20:58:39 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=108 Sibyl Hofstetter voc, comp
Rea Dubach voc, comp
Corinne Nora Huber voc
Marina Sobyanina voc, comp
Stefan Bernhard tp, comp
Hanna Marchand sax
Kristinn Smári Kristinsson git
Michael Haudenschild p, comp
Philippe Adam dr
Ricardo Castillo comp
Frank Sikora Projektleitung

 

Alfred Wälchli (1922–2004)

Messe
Uraufführung

Kyrie
Gloria
Credo I
Credo II
Sanctus I
Sanctus II
Hosanna
Agnus Dei

 

Die Vertonung der Messetexte des Aargauer Sprachkünstlers und Komponisten Alfred Wälchli durch Studierende der Masterstudiengänge «Jazz Composition & Arrangement» und «Jazz Performance» der Hochschule der Künste Bern ist eine mehrschichtige Herausforderung. Ein Nonett, bestehend aus drei Sängerinnen, zwei Bläsern und einer vierköpfigen Rhythmusgruppe, nähert sich der eigenwilligen, enigmatischen Sprache und der Klanglichkeit der Texte Wälchlis mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung. Es ist ein transdisziplinäres Projekt, bei dem sich Wort, Klang und Raum, kompositorische und improvisatorische Elemente, instrumentale und elektronische Klänge zu einer Collage verbinden, bei der Sprache zur Musik wird und Musik zur Sprache, wo Klanglaut und Wortklang ineinanderfliessen. Es ist aber auch eine Auseinandersetzung mit Alfred Wälchlis musikalischem Werk. Seine Musik spricht den Jazzmusiker an. Sie ist extrem rhythmisch, motorisch und pulsgesteuert, an der Grenze zwischen Tonalität und Atonalität angesiedelt, mit einem durchaus populären touch. Dennoch ist dieses Projekt nicht als Rekomposition der Musik Wälchlis zu verstehen. Es geht vielmehr darum, den Gestus, die Radikalität und Originalität, in die Sprache des zeitgenössischen Jazz zu überführen und, unter Einbezug der räumlichen und akustischen Möglichkeiten des Kirchenraumes, ein eigenständiges Werk zu schaffen – als Hommage an diesen zu Lebzeiten nur wenig beachteten Künstler.

Wer war Alfred Wälchli? Er sei als Original eingeordnet – und dabei unterschätzt worden, schrieb Roman Brotbeck über ihn und: «Das Werk von Alfred Wälchli gehört für mich zum Eigenständigsten, Kreativsten und Wichtigsten, was in der Schweiz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Dass Alfred Wälchli fast 80 Jahre alt werden musste, bis er an den Solothurner Literaturtagen auftreten konnte, und dass er erst an der Biennale Bern 2003 in einem internationalen Kontext präsentiert wurde, stellt den Kulturverantwortlichen dieses Landes kein gutes Zeugnis aus.»
Wälchli, geboren, wohnhaft und verstorben in Zofingen, liesse sich tatsächlich leicht in die Reihe zurückgezogen lebender helvetischer Originale subsummieren, die nicht weit über ihre Heimat hinauskommen. Zwar hat er in Zürich Klavier und Komposition studiert und bei Wolfgang Heinz am Schauspielhaus als Regieassistent gearbeitet, in seinem dichterischen und musikalischen Schaffen ist er jedoch weitgehend Autodidakt: Auf dem Abstieg von der Alp Flix hatte der Elfjährige, so erzählt Brotbeck, einen musikalischen Einfall (einen symmetrischen, über die kleine None ausgelegten Akkord), der ihn zeitlebens nicht mehr losliess und in fast jeder Komposition vorkommt. Und weil ihm die Deutschlehrer einst sagten, er beherrsche kein gutes Deutsch, entwickelte er eine eigene Sprache, die Dialektales und Hochsprachliches mit antiken Wort- und Satzumstellungen vermischt. So entstand im Stillen ein einzigartiges Oeuvre: Monumentaldramen vor allem und dazu korrespondierende Musikstücke. «In seinen fast unspielbaren Kompositionen notiert Wälchli keine Takte, keine Phrasierungen und keine Dynamik. Alles sollte elastisch und variabel bleiben, und die oft extrem schnellen Bewegungsketten verklungeln sich ineinander. Die Musik ist tonal und hat doch nie tonale Wirkung; die Harmonien sind völlig neu und erinnern an die gläserne Klarheit von Messiaens Harmonik. Charles Ives kann manchmal so klingen oder der ebenfalls ziemlich unbekannte Kaikhosru Sorabji. Den Kompositionen und Texten von Alfred Wälchli fehlt jede Form von Klischee oder von Pathos. Im Leben wie im Schaffen ist Wälchli von entwaffnender Ehrlichkeit.»

 

Abendkasse eine halbe Stunde vor Konzertbeginn: CHF 30.–/15.–

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Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes-9/ Mon, 16 Mar 2015 20:59:38 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=109 Laudes II
Die Morgenandacht nach christkatholischem Ritus erklingt in einer Neuvertonung von Johann Sonnleitner.

 

Christkatholischer Kirchenchor Bern
Anna Barbara Dütschler Bratsche
Johann Sonnleitner Orgel
Helene Ringgenberg Leitung

 

Laudes II (sog. Kathedralritus)

Johann Sonnleitner (*1941)
Uraufführung

Eröffnung

Gesang zum Anbruch des Tages
Morgenpsalm (Psalm 63)
Lobpsalm (Psalm 103)

Wortgottesdienst:

Lesung
(in der Regel Evangelium der Auferstehung)
Halleluja

Neutestamentliches Canticum
(Lobgesang des Zacharias)

Bitten
Vaterunser
Fürbitten
Wasserritus (Heiligung des Tagwerkes)
Gloria

Abschluss

 

Eine neue Laudes-Vertonung in erweiterter Tonalität
Der Morgengottesdienst, auch Laudes genannt, wird in der christkatholischen Kirche in zwei unterschiedlichen Formen gefeiert. Die erste Form ist deutlich von Traditionen des Mönchtums geprägt, was sich vor allem an der starken Verwendung biblischer Psalmen und am einheitlich gregorianischen Stil zeigt, d. h. die Melodien werden einstimmig, in freiem Rhythmus und mit einer Melodiebildung gemäss den sogenannten Kirchentonarten gesungen. Solche Melodien strahlen eine «lilienhafte Reinheit» und Objektivität aus. Das hat seinen Grund im verwendeten Tonsystem. Dieses besteht aus einer Kette von reinen Quinten, was der Melodik einen schwebenden, strebenden Charakter mit wenig «Erdung» verleiht.
Die zweite Form der Laudes lehnt sich ein Stück weit an die frühchristlichen Gemeindegottesdienste unter der Leitung des Bischofs an. Im Blick auf das Sonnenlicht des angebrochenen Tages wird Gott als der Schöpfer des Lichtes gepriesen. Diese zweite Form ist auch geprägt durch so sinnfällige Handlungen wie einen Wasserritus zur Aufnahme der täglichen Arbeit. Dieser folgt dem Wortgottesdienst mit Evangelien-Lesung von der Auferstehung Christi und dem Gloria. Im Gegensatz zur einstimmigen mittelalterlichen Form kommt die zweite Form in verschiedenen, der Zeit angepassten Stilen vor.
Je näher nämlich die Menschen an die Neuzeit heranrückten, desto mehr entwickelten sie einen Sinn für das Intervall der Terz – und damit verbunden ein Gefühl und Bedürfnis nach Dreiklängen und Harmonien. Das gibt der Musik mehr «Erdung» und menschliche Wärme.
Der Blick in die Musikgeschichte und Musikethnologie zeigt: Mit dem Wandel des Bewusstsein und des Lebensgefühls ändert sich auch das jeweilige Tonsystem der Menschen. Der sich in unserer Zeit anbahnende Bewusstseinswandel vieler Menschen bringt ein neues differenzierteres Tonempfinden mit sich. Die Frage ist: Welches Tonsystem entspricht unserem sich wandelnden Bewusstsein? Welche Töne entsprechen unserem sich verändernden Verhältnis zur Natur?
In dieser Situation hilft eine Beschäftigung mit Tönen, die in der Naturtonreihe, dieser wahren «Schatztruhe der Natur» aufbewahrt sind. In der uralten Schweizer Alphornmusik leben gewisse Intervalle, die in der Kunstmusik tabu sind: z.B. das Alphorn-Fa und die Natur-Septim. Sie liegen ausserhalb unseres herkömmlichen Tonsystems. Durch die behutsame Einbeziehung solcher zunächst ungewohnter Zwischentöne erfährt unsere Tonwelt eine Belebung, seelische Bereicherung und Vertiefung. Solche «Musik in erweiterter Tonalität» kann auch von sogenannt einfachen Musikliebhabern gut nachvollzogen werden. Sie brauchen dazu keinerlei musikalische Fachbildung, sondern nur ein offenes Ohr und Herz. So kann vielleicht mit dem Anbruch eines neuen Tages mit den uralt-neuen Intervallqualitäten auch in unserem Inneren ein neues Licht aufleuchten.
Mit der Neu-Vertonung der Laudes in erweiterter Tonalität für Gemeindechor, Viola und Orgel wird die Reihe bereits vorhandener Auftrags-Kompositionen für die Christkatholische Kirche fortgesetzt. Bisher liegen u.a. vor: die Vesper «An der Schwelle des Abends», ein «Magnificat», ein «Lichtgesang» und eine Passionsmusik «Die sieben Worte des Gekreuzigten».
Johann Sonnleitner

(Zum Ablauf der Laudes und diversen Texten vgl. Laudes in der Kirche St. Peter und Paul, Donnerstag um 6.30 Uhr Link. Zur Mikrotonalität vgl. jene von Donnerstag, in der Christengemeinschaft Link).

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