Podium – 5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik | Bern 2015 | 21.-25. Oktober 2015 https://www.kirchenmusikkongress.ch kM15 Mon, 19 Oct 2015 21:08:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.7.15 Funktionsäquivalenz von Musik und Religion https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/funktionsaequivalenz-von-musik-und-religion/ Mon, 16 Mar 2015 22:07:09 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=145 9.00 Uhr
Begrüssung und Einleitung durch Prof. Dr. David Plüss Professor für Homiletik, Liturgik und Kirchentheorie an der Theologische Fakultät der Universität Bern.

Das Werk ist der Ritus – Neue geistliche Musik innerhalb und ausserhalb der Kirche
Ein Gespräch mit Dr. Roman Brotbeck Musikwissenschaftler und Prof. Lennart Dohms Dirigent und Studiengangsleiter MA Music Performance Hochschule der Künste Bern.

«Das Werk ist der Ritus», meint lakonisch der Komponist Jörg Herchet und benennt damit die weitverbreitete «Theologie der Neuen Musik», bei der das absolute Werk die Wahrheit schon enthält.

«Geistlich heisst nicht kirchlich» schreibt 1960 der 32-jährige Stockhausen, und er macht den Unterschied zwischen «geistiger» und «geistlicher» Musik, die erst dann entstehe, wenn das Rationale im Extrem irrationalisiert wird und «geistige in geistliche Musik umschlägt». Das Geistliche entsteht nach Stockhausen dann, «wenn es in den Drähten einer Konstruktion zu spuken beginnt.» Für Stockhausen ist das Geistliche die Störung, die Kurzschlüsse zwischen den Verdrahtungen der Konstruktion, das Scheitern des Absoluten.

Ausgehend von diesen gegensätzlichen Auffassungen des Geistlichen in der Musik stellen sich die beiden Referenten auch polemische Fragen:

Hat die Neue Musik in der Kirche überhaupt noch etwas zu suchen? – Und viel wichtiger: Kann sie dort überhaupt noch etwas finden?

Weshalb entstehen im 20. und 21. Jahrhundert so viele geistliche Werke ausserhalb der Kirche, z.B. für die Oper und den Konzertsaal?

Und warum gibt es so zahlreiche Passionen und so wenig «Gotteslob» in der zeitgenössischen Musik?

Diskutiert werden diese Fragen an massgebenden Werken und wichtigen musikalischen Vertretern des 20. Jahrhunderts, unter anderem LICHT, COSMIC PULSES und FREUDE von Stockhausen, «Arc-en-Ciel» von Ivan Wyschnegradsky, «Saint François d’Assise» von Olivier Messiaen, «Requiem für einen jungen Dichter» von Bernd Alois Zimmermann, «Glossolalie» von Dieter Schnebel, «Appels» von Michael Levinas oder auch «Wunderzaichen» von Mark Andre.

11.00 Uhr
Podiumsdiskussion

Mit Prof. Lennart Dohms, Dr. Roman Brotbeck und als Gast Dr. h. c. Hans Zender Komponist, Dirigent und Publizist.
Leitung durch Prof. Dr. David Plüss.

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Neue geistliche Musik in Geschichte und Gegenwart https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/neue-geistliche-musik-in-geschichte-und-gegenwart/ Mon, 16 Mar 2015 22:18:41 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=146 9.00 Uhr
Begrüssung und Einleitung durch Dr. Thomas Gartmann Leiter Forschung, Hochschule der Künste Bern.

9.15 Uhr
Tradition, Reform, Innovation: Kirchenmusik im Spannungsfeld von Geschichtlichkeit und Gegenwärtigkeit

Prof. Dr. Klaus Pietschmann Professor für Musikwissenschaft, Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ist ein wesentlicher Bestandteil nahezu aller Religionen. Zu den Besonderheiten des katholischen und evangelischen Christentums zählt allerdings, dass die Kirchenmusik beginnend spätestens mit dem Pariser Organum um 1200 eine wechselvolle Entwicklung durchlief, die in engem Zusammenhang mit jeweils aktuellen theologischen, liturgischen und pastoralen Auffassungen stand und sich stark an ausserkirchlichen musikalischen Trends orientierte. Die Rückbindung an etablierte Traditionen wie insbesondere den Choralgesang, aber auch den Palestrina-Stil bzw. das geistliche Liedgut bildete dabei stets ein Korrektiv und eröffnete ein Spannungsfeld, das ein identitätsstiftendes, zugleich aber auch abschottendes Potential markierte und gegenwartsorientierter Innovation Grenzen auferlegte. Die vielfältigen Ausprägungen dieses Spannungsfeldes bestimmten die Fragen und Themen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kirchenmusik, und sie sollen im Referat anhand ausgewählter Stationen exemplarisch vorgestellt werden. Dabei ist auch nach den innerkirchlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu fragen: Welche Faktoren prägen künstlerische Entscheidungen und welche nicht? Wie verhält sich die Musik zu mitunter brisanten Tendenzen innerhalb der christlichen Glaubensgemeinschaften etwa im Umgang mit Andersgläubigen? Fragen wie diese, gerichtet an zwar historische, aber noch/wieder präsente Repertoires, haben auch angesichts einer sich intensivierenden religiösen Diversifizierung der traditionell christlich geprägten Gesellschaften grosse Relevanz für die gegenwärtige kirchenmusikalische Praxis.

10.00 Uhr
Zeitgenössische Positionen geistlichen Komponierens: PunktKlangKugel

Prof. Dr. h.c. Daniel Glaus Komponist und Organist am Berner Münster

Logos – Chronos – Kairos.
Von der Idee zum inneren Klang. Vom inneren Klang zur Komposition. Von der Komposition zur Interpretation. Von der Interpretation zum Hören. Vom Hören zur inneren Hörschau. Ein Prozess des Werdens. Transzendenz.

Die Zeit, die Zeit, das irdische Kleid.
Aber die Kugel, die rollt.
Aussi loin, qu’un endroit
fusionne avec au delà.
(Stéphane Mallarmé: Sämtliche Gedichte französisch und deutsch, DA: Heidelberg: Verlag Lambert Schneider, 31974, S. 174f.)

Ich mache meinen Gang;
der führt ein Stückchen weit
und heim, dann ohne Klang
und Wort bin ich beiseit.
(Robert Walser: Gedichte. Mit Radierungen von Karl Walser, Berlin: Cassirer, o. J. [1909])

10.20 Uhr
Zeitgenössische Positionen geistlichen Komponierens: Komponieren als Spurensuche nach dem Ewigen

Lukas Langlotz Komponist

Das Religiöse spielt in meinem Schaffen eine wichtige Rolle. Komponieren ist für mich eng mit Spiritualität verbunden. Ich will den Faden nicht verlieren, der mich mit dem Wesentlichen in Berührung hält, deshalb suche ich nach dem Klang meiner Musik und treffe dabei immer wieder auf eine sakrale Thematik. Ausschnitte aus meinen Werken Windspiel (1998/2000), «Missa Nova» (2009/2010) und «Amer» (2012/2013) sollen Einblick geben.

11.00 Uhr
Podiumsdiskussion

Mit Prof. Dr. h.c. Daniel Glaus, Lukas Langlotz und als Gast Esther Schläpfer Pfarrerin am Berner Münster.
Leitung durch Dr. Thomas Gartmann.

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Theologie der Musik, Musik der Liturgie https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/theologie-der-musik-musik-der-liturgie/ Mon, 16 Mar 2015 22:24:39 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=147 9.00 Uhr
Begrüssung und Einleitung durch Prof. Dr. Matthias Zeindler Titularprofessor für Systematische Theologie an der Theologische Fakultät der Universität Bern, Leiter Fachbereich Theologie der Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn.

Das Referat von Frau Dr. Heidy Zimmermann entfällt.

9.15 Uhr
«Nil impurum aut lascivum» Fragen zur musikalischen Theologie der katholischen Kirche

Prof. Dr. Alois Koch alt Rektor der Hochschule Luzern – Musik

Mit dieser Formulierung setzte das Konzil von Trient (16. Jh.) erstmals Rahmenbedingungen für Musik in der Liturgie. Keine theologische Definition der Kirchenmusik also, sondern Abgrenzung gegen profane Einflüsse. Das ist symptomatisch für das Verhältnis der katholischen Kirche zur Musik seit dem Kirchenlehrer Augustinus (4. Jh.) bis in unsere Zeit, wo selbst das Vatikanum II (20. Jh.) mit seiner liturgischen Aufwertung der Musica sacra diese nicht theologisch, sondern anwendungsorientiert integrierte. Umso faszinierender ist unter solchen Voraussetzungen das Phänomen, dass die Musik seit jeher immer wieder zur Theologie drängt und sich mit ihren Mitteln dem Numinosen zu nähern versucht.
Das Referat «Nil impurum aut lascivum» versucht diese Thematik sowohl künstlerisch wie theologisch zu plausibilisieren und damit einen Beitrag zum aktuellen Spannungsfeld zwischen Liturgie und Musik zu erbringen.

10.15 Uhr

«Klingende Asche, tönender Staub» Musiktheologische Überlegungen aus protestantischer Perspektive

Dr. Stefan Berg Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie, Universität Zürich

Musik wird aufgrund ihrer ätherischen Leichtigkeit immer wieder für eine Kunst gehalten, die in einer privilegierten Beziehung zu Gott stehe: ein «schnelles Flugschiff zum Göttlichen», wie Karlheinz Stockhausen es formulierte. Tatsächlich ist sie jedoch ein zutiefst erdenschweres Unternehmen und kann daher nicht als eine zwischen Gott und Mensch vermittelnde Instanz gelten. Auch eine Theologie der Musik muss sich daher – wie alle Theologie – zur unendlichen Unterschiedenheit von Gott und Mensch verhalten. Und auch sie steht damit vor der Grundsatzentscheidung, ob sie in ihrem Nachdenken vom religiösen Menschen oder vom sich selbst offenbarenden Gott ausgehen möchte. So kann eine Theologie der Musik entweder den liberalen Weg beschreiten und Musik als einen Gestaltungsmodus menschlicher Subjektivität deuten, dem fast schon per se eine religiöse Qualität anhaftet. Oder sie kann sich auf den funktionalistischen Weg begeben und Musik nur insofern theologisch würdigen, als sie von Gott zu einem Ort seines gnadenhaften Sich-selbst-Offenbarens erwählt wird. Auf die Praxis hin formuliert heisst das: Eine protestantische Theologie der Musik muss für sich unter anderem klären, ob sie auch für die Musik im profanen Konzertsaal oder ausschliesslich für die im sakralen Raum des Dienstes am Wort Gottes zuständig ist. Allerdings haben die hier zugespitzten Alternativen heute sowohl in der Theologie allgemein als auch speziell in der Theologie der Musik an Bedeutung verloren. Man weiss hermeneutisch um die Vielfalt von Perspektiven, ist phänomenologisch sensibel für die Eigendynamik von Ereignissen in ihrer Performanz und kennt das schier unkontrollierbare Wuchern des Verweisens im menschlichen Zeichengebrauch. Über diese Einsichten hat sich die Theologie verändert – und gleiches gilt im Übrigen für die Musik. Die oben formulierten Alternativen sind damit nicht vollständig vom Tisch, erscheinen aber in einem neuen Licht. Der Vortrag will sie daher noch einmal aufwerfen, sie dann aber neu erkunden, indem er sie von Werken Neuer Musik her betrachtet: Werke musikalischer Flüchtigkeit und Vergänglichkeit – klingende Asche, tönender Staub.

11.00 Uhr
Podiumsdiskussion

Mit Prof. Dr. Alois Koch, Dr. Stefan Berg und als Gast Dr. Konrad Klek Professor für Kirchenmusik an der Universität Erlangen-Nürnberg, Universitätsmusikdirektor. Leitung durch Prof. Dr. Matthias Zeindler.

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