Antonio García – 5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik | Bern 2015 | 21.-25. Oktober 2015 https://www.kirchenmusikkongress.ch kM15 Thu, 27 Aug 2015 07:45:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.7.15 Orgelspaziergang, Teil 4 https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/orgelspaziergang-teil-4/ Mon, 16 Mar 2015 21:12:37 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=117 Antonio García Begrüssung und Moderation

 

Goll-Orgel (1991)

Katja Sager Orgel
Jean Guillou (*1930)
Pièces furtives op. 58 (1998)
Caloroso
Giocóndo
Languore
Molto cantabile
Tempo di Marcia

Yeon-Jeong Jeong Orgel
Jean Guillou (*1930)
Säya ou «L’oiseau bleu», Poème sur un air populaire coréen op. 50 (1993)

Michael Sattelberger Orgel
Zsigmond Szathmáry (*1939)
Moving Colours (2006)

Angela Metzger Orgel
Bruce Mather (*1939)
Aus: Six Études (1982)
Nr. 3 «Vision fugitive»
Nr. 5 «Textures»

Samuel Cosandey Orgel
Antoine Fachard (*1980)
Coïncidences (2013)

 

Orgeldisposition

 

Jean Guillou gehört zu den berühmtesten, aber auch umstrittensten Organisten unserer Zeit. Der Schüler von Marcel Dupré, Maurice Duruflé und Olivier Messiaen, der seit 1963 an der Kirche Saint-Eustache direkt neben den Pariser Hallen wirkt, ist auch als Pianist und Komponist bekannt geworden. In der Schweiz war er entscheidend bei der Konzeption der Tonhalle-Orgel in Zürich beteiligt. Seine zehn «Pièces furtives», von denen hier eine Auswahl erklingt, sind flüchtig oder wörtlich: verstohlene, heimliche Charakterstücke, die fast im Nu vorbeifliegen. Elaborierter hingegen ist die zweite Komposition:
Auf seinen zahlreichen Konzerttourneen improvisiert Guillou regelmässig über Themen aus dem Publikum, und so erhielt er 1993 in Seoul das koreanische Volkslied «Säya» vorgelegt: eine extrem einfache Melodie aus vier Tönen, die in einem sehr poetischen Text einen blauen Vogel besingt. Guillou dazu: «Diese zauberhafte Nacktheit zog mich an, weswegen ich mich entschloss, es in einer Komposition zu verwenden. Das Poem präsentiert, während es die ursprüngliche Schlichtheit bewahrt, eine dramatische Entwicklung mit Variationen und Kommentaren. Am Schluss kehrt die anfängliche Wärme der Melodie zurück und singt sich noch einmal aus, bevor sie davonfliegt.»

Auch der Ungar Zsigmond Szathmáry, der seit langem in Deutschland lebt, ist sowohl Komponist als auch Organist. Im Gegensatz zu Guillou, der sich keiner Schule zuordnen lässt, bewegt er sich jedoch in den Kreisen der Avantgarde und ist etwa auch durch seine Realisierungen graphischer Partituren bekannt. Seine Komposition «Moving Colours» (2006) war ein Auftragswerk für den Internationalen Orgelwettbewerb 2008 im deutschen Schramberg (D) und wurde für die dortige Walcker-Orgel (1844) in der St. Marien-Kirche konzipiert.

(James) Bruce Mather stammt aus Toronto, studierte dort am Royal Conservatory of Music, kam aber bald schon nach Europa, um sich hier weiterzubilden. In Paris besuchte er die Kurse von Darius Milhaud und Olivier Messiaen, in Darmstadt lernte er auch Pierre Boulez kennen, bei dem er 1969 in Basel Dirigieren studierte. Nach seiner Heimkehr unterrichtete er von 1966 bis 2001 an der McGill University in Montreal und leitete dort auch Contemporary Music Ensemble. Kompositorisch wurde er unter anderem vom Exilrussen Iwan Wyschnegradsky und seiner mikrotonalen Musik beeinflusst. 1982 komponierte der frankophile Kanadier für den belgischen Organisten Bernard Foccroulle sechs Etüden, die sich diversen technischen Problemen widmen. Die «Vision fugitive» ist ein kurzes, bewegtes und darin eben auch sehr flüchtige Stück; in den «Textures» werden mehrere rhythmische Schichten übereinandergelegt und ins Changieren gebracht.

Antoine Fachard, aus Lausanne stammend, studierte in Bern Komposition und Theorie bei Daniel Glaus. Das Orgelstück «Coïncidences» schrieb er für seinen Studienkollegen Samuel Cosandey. Das Stück besteht aus zwei aufeinander folgenden gegenläufigen Prozessen, von denen der eine der Spiegel des anderen ist – ähnlich wie ein grosses Ein- und Ausatmen. Getrennt werden sie durch eine vertikale Symmetrieachse, das mittlere F in der 333. Sekunde. Die Klanggesten des ersten Teils nähern sich von den Extremen ausgehend immer mehr diesem Zentrum – und entfernen sich wieder, freilich in einer Beschleunigung. Die Musik ist also keineswegs strikt rückläufig komponiert. Die Form entspricht aber insgesamt der rhetorischen Figur des Chiasmus, der x-förmigen Kreuzung zweier Bewegungen. Sie taucht in der Musikästhetik von Antoine Fachard immer wieder auf, denn er sucht immer wieder diesen Effekt: Man entfernt sich allmählich von einem Ausgangspunkt und kehrt doch fatalerweise wieder dorthin zurück – «so wie Sisyphus, der wie lange er auch immer dafür gebraucht hat, anderntags doch immer wieder aufs Neue beginnen muss…». Nach diesen beiden prozesshaften Teilen folgt ein kürzerer, instabiler Abschnitt, in dem Elemente von zuvor wiederaufgegriffen, und schliesslich eine fliessende Coda, die endlich in der Höhe entschwindet.

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Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes-4/ Mon, 16 Mar 2015 20:43:43 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=97 Laus perpetua – Un office matinal de Taizé
Improvisations de l’orgue et de l’électronique

 

Antonio García orgue
Marie-Josèphe Glardon pasteure
Claudio Giampietro électronique

 

Laus perpetua – Un office matinal de Taizé
«Louez Dieu dans son sanctuaire! Louez-le avec l’orgue et par des chants! Louez-le au son de la musique électronique!»

Louange perpétuelle qui, dès le lever du jour, salue la bonté de Dieu et le loue, tout autour de la terre. Une louange pour tous les temps, pour toutes les heures. Par tous les sons et toutes les musiques. Par le silence et la parole. Louange tout azimut!
Louer Dieu, répercuter comme en écho sa magnificence, c’est le ministère confié aux humains. Dire et chanter, contempler et écouter le murmure de la Parole, l’Evangile de la vie: «Comme un souffle fragile ta parole se donne, comme un vase d’argile, Ton amour nous façonne. Ta parole est murmure comme un secret d’amour…»
Le souffle de nos poumons, le souffle de l’orgue et de tous les instruments à vent, le son des instruments à cordes, à percussion, et de toutes les musiques, de toutes les manières, chante la tendresse de Dieu, sa fidèlité, sa présence. C’est ce que proclame le psaume 150.
C’est depuis des siècles ce que les communautés monastiques, de nuit et de jour, en huit offices s’accordent à vivre pour toute la création, d’un bout de la terre à l’autre, du lever du soleil à son coucher, et même la nuit.
D’abord Matines ou Vigiles au milieu de la nuit. Puis Laudes à l’aurore. Prime, à la première heure du jour. Suivent, Tierce, Sexte et None, toutes les trois heures. Le soir, les Vêpres. Puis les Complies avant le coucher. Ce sont les heures canoniales. Une laus perpetua!
A la suite de la tradition bénédictine, puis cistercienne, c’est ce que la communauté œcuménique de Taizé permet de vivre, avec les Frères de Taizé, trois fois par jour, et qu’ont adopté beaucoup de chrétiens, en communion avec tant de monastères et d’Eglises à travers le monde. Laus perpetua! Partout, toujours!
Louange, écoute de l’Evangile, silence, intercession lient et relient, par-delà les âges, les lieux, les langues ou les spiritualités.
Avec beaucoup d’autres communautés, l’Eglise réformée française de Berne célèbre, à côté de cultes très différents, des offices de Taizé. La paroisse de la Nydegg le fait régulièrement, le premier dimanche du mois à 20h.
L’office des Laudes du 22 octobre à l’église française joindra des chants traditionnels de Taizé à de la musique électronique.
Que tout, que tous, toujours, louent le Seigneur, le prient et écoutent sa voix!
Marie-Josèphe Glardon

]]> Mittagsandacht https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/mittagsandacht-2/ Mon, 16 Mar 2015 21:01:38 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=111 Antonio García Orgel
Brigitte Scholl Mezzosopran
Pfr. Olivier Schopfer Liturgie

 

Arthur Honegger (1892–1955)
Aus: Trois Psaumes
Psaume CXL O Dieu donne-moi délivrance (1940), Texte: Théodore de Bèze
Psaume CXXXVIII Il faut que tous mes esprits (1941), Texte: Clément Marot

Darius Milhaud (1892–1974)
Aus: Cinq Prières op. 231c (1942)
Verbum caro factum est

Jean Langlais (1907–1991)
Aus: Missa in simplicitate (1952)
Sanctus – Benedictus

Antonio García (*1984)
Kurze Orgelimprovisationen

 

Sie waren die frechen Jungen der 20er-Jahre: die sechs um Jean Cocteau und Erik Satie, die für kurze Zeit als «Groupe des Six» existierten, publikumswirksam und geschichtsträchtig – die Musikgeschichtsbücher erzählen immer noch davon. Dabei waren die sechs doch so unterschiedlich: der eine Schweizer Protestant, in Frankreich aufgewachsen, der andere jüdischer Kosmopolit, die anderen Katholiken usw. Sie sorgten mit kleinen Skandalen für Aufsehen, setzten die Eisenbahn musikalisch in Szene oder brachten brasilianische Rhythmen aus dem Exil mit. Und man könnte sie gut und gern auf diesen so weltlichen Aspekt beschränken – aber alle hatten sie auch ihre ernsthaften, ja spirituellen Seiten. Am stärksten prägte sich das wohl bei Francis Poulenc aus, der ein spätes religiöses Erweckungserlebnis bei der Schwarzen Madonna von Rocamadour in den Pyrenäen erlebte. Er komponierte daraufhin eines der trotz der schwarzkatholischen Handlung eindringlichsten Musiktheaterstücke des 20. Jahrhunderts, die «Dialogues des Carmélites». Seine Freunde Arthur Honegger und Darius Milhaud waren vielleicht etwas weniger radikal.

Arthur Honegger arbeitete eng mit dem katholischen Dichter Paul Claudel zusammen und komponierte 1945/46 seine «Symphonie liturgique». Er hat zahlreiche dramatische Werke geistlichen Inhalts geschaffen, die die Zeiten überlebt haben. Betonte er mitten im Krieg seine protestantischen bzw. reformatorischen Wurzeln, indem er drei Psalmen vertonte? Er verwendete nämlich nicht die lateinische Version, sondern die Übersetzungen durch den Genfer Reformator Théodore de Bèze sowie durch den französischen Lyriker Clément Marot, dessen Psalmen von Calvin gelobt wurden und der eine Zeit lang ebenfalls in Genf wirkte.

Darius Milhaud hat sich in seiner geistlichen Musik nicht auf seine jüdischen Wurzeln beschränkt, sondern ist auch da gleichsam kosmopolitisch oder geradezu ökumenisch vorgegangen. Unter anderem schrieb er eine Bühnenmusik zu Claudels «L’Annonce faite à Marie», und 1963 vertonte er die Enzyklika «Pacem in Terris» von Papst Johannes XXIII. So erstaunt es auch nicht, dass er sich im US-amerikanischen Exil während des Zweiten Weltkriegs mit jüdischen Themen beschäftigte und 1942 dennoch gleichzeitig die «Cinq Prières» auf lateinische Texte schreiben konnte.

Jean Langlais gehört zur Riege bedeutender Pariser Organisten des 20. Jahrhunderts. Der seit dem zweiten Lebensjahr blinde Musiker studierte Orgel bei André Marchal und Marcel Dupré sowie bis zu dessen Tod Komposition bei Paul Dukas, zusammen mit Messiaen. Zunächst an der Kirche Saint-Pierre-de-Montrouge tätig, folgte er 1945 seinem grossen Vorbild Charles Tournemire als Titulaire der Cavaillé-Coll-Orgel von Sainte-Clotilde – ein Amt, das er bis 1987 ausübte. In etwa dreihundert daneben entstandenen Werken verbinden sich die alten Kirchentonarten mit moderner Polymodalität, aber auch Volkslieder, organistische Virtuosität und Experimente in demutvoller Schlichtheit. Gerade diese steht im Vordergrund der «Missa in simplicitate», die er 1952, am Beginn übrigens einer zweiten, reichen Schaffensperiode, schrieb.

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